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Artikel aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 04.04.2005:
Bambus, wohin man auch schaut: Bis zu zehn Meter hoch werden die Pflanzen, die in Lehrte-Steinwedel wachsen - in Deutschlands größter Bambusgärtnerei. Der Besitzer erfüllte sich damit einen Lebenstraum - während die exotische Pflanze auch in immer mehr Gärten in der Region heimisch wird.
VON BERNHARD KOCH
Wenige Kilometer östlich der Stadtgrenze Hannovers würden sich Pandabären wie zu Hause fühlen. Am Rande des Dorfes Steinwedel - ein Ortsteil von Lehrte - wird auf einer rund acht Fußballfelder großen Fläche die Lieblingsspeise der vom Aussterben bedrohten Tierart gezüchtet: Bambus. Mehr als 200 Sorten der im Fernen Osten heimischen Pflanze, die immer mehr Naturfreunde auch in Deutschland begeistert, wachsen dort in der bundesweit größten Bambusgärtnerei heran. Die in Gewächshäusern und Freiflächen dicht an dicht stehenden schnell wachsenden Pflanzen erreichen Höhen von bis zu zehn Metern. Besucher können hier Dschungelatmosphäre erleben.
Der 64-jährige Fred Vaupel hat die Bambusbaumschule mit seinem Kollegen Karsten Steckhan und weiteren Mitarbeitern in den neunziger Jahren aufgebaut. "Der Begriff Baumschule ist eigentlich nicht korrekt, Bambus gehört botanisch zu der Familie der Gräser", sagt der gebürtige Hamburger Vaupel. Seine Liebe zum Bambus entdeckte er vor 30 Jahren auf dem Fischmarkt: "Da habe ich die ersten zwei Pflanzen gekauft und im Garten meines Wochenendhauses an der Ostsee eingepflanzt." Den damals selbstständigen Großhandelskaufmann faszinierte die Vielfalt der immergrünen Riesengräser, von denen es weltweit mehr als 1000 Arten gibt. Der Hamburger verfiel dem Zauber der fernöstlichen Pflanzen, die zugleich robust und von graziler Schönheit sind.
Die hohlen Bambushalme können dick wie ein Ofenrohr werden. Es gibt so genannte "standorttreue" Arten, die als Hecke und als Kübelpflanze geeignet sind. Andere Arten treiben Ausläufer und können wild wuchernd binnen weniger Jahre große Flächen abdecken, wenn nicht Wurzelsperren aus Kunststofffolie in die Erde eingesetzt werden. Ganz billig ist Bambus nicht. Die Preise in Steinwedel liegen je nach Sorte und Größe zwischen 9,50 und 425 Euro. Im Baumarkt ist Bambus billiger zu haben. Dort wird aber meist Importware oder aus Laborvermehrung ohne Fachberatung verkauft.
Bevor er Bambus auch beruflich zu seinem Lebensinhalt machte, ging Hobbygärtner Vaupel auf Erkundungsreisen. Zunächst in Süddeutschland, Frankreich, Italien, Schweiz, Belgien, Holland und England. In auf Bambus spezialisierten Gartenbaubetrieben besorgte er sich immer neue Sorten, um sie in seinem Privatgarten an der Ostsee zu testen. "Damals gab es noch kein Internet, um sich zu informieren." Sein Ziel war es, Bambuspflanzen zu kultivieren, die hierzulande gut gedeihen und auch strenge Winter überleben. Bis heute unternimmt Vaupel regelmäßig Studienreisen: "Jedes Jahr fahre ich 14 Tage nach China."
Nach ersten Versuchen in Hamburg und Berlin, "Bambus-Informationszentren" zu gründen, wo Kunden beraten und auch Pflanzen verkauft werden, kam Vaupel 1996 nach Steinwedel. Dort betrieb der Landschaftsarchitekt Karsten Steckhan mit seiner Frau Birgit Steckhan bereits eine kleine Bambusgärtnerei. "Der Standort in der Region Hannover ist ideal, weil er auch für Bambusfreunde aus West- und Süddeutschland sehr gut zu erreichen ist", sagt Vaupel. Das Ladengeschäft samt Schaugarten in Steinwedels Dorfmitte wurde in kleinen Schritten erweitert. Dort gibt es auch Möbel, Pavillons, Wasserspiele oder Zäune aus Bambus sowie Bänke, Buddhas oder japanische Laternen aus Granit. Jahr für Jahr vergrößerte sich zudem die gepachtete frühere Ackerfläche am Dorfrand, wo bald ein Treibhaus nach dem anderen entstand. "Die Nachbarn hielten uns anfangs für Spinner, mittlerweile haben sie Respekt", sagt Vaupel, der täglich von 8 bis 20 Uhr in seiner Bambusplantage steht.
Um sich bekannt zu machen, besuchten die Steinwedler Bambusgärtner deutschlandweit Gartenschauen und Spezialausstellungen. Ende der neunziger Jahre riefen Mitarbeiter des Zoos Hannover an, die Probleme mit ihrem Bambus hatten: "Die wollten Rat, weil ihr Bambus in jedem Winter kaputtfror", erinnert sich Vaupel. Seitdem gehört der Zoo zu den größten Stammkunden. "Rund 90 Prozent der Bambuspflanzen im Zoo kommen von uns." Auch in zahlreichen Freizeitparks wie dem Serengetipark Hodenhagen steht Bambus aus Steinwedel. Mehr als die Hälfte der Kunden sind jedoch Privatleute, die Pflanzen auch per Internet ordern.
Der guten Ruf der Steinwedler zeigt sich an zahlreichen Einladungen zu Gartenschauen. Für die Landesgartenschau in Winsen (Luhe) im nächsten Jahr sind die ersten Bambuspflanzen aus Steinwedel bereits gesetzt. "Bambus ist mein Leben", sagt Vaupel. Die Pflanze sei für ihn vielmehr eine Mission: "Es gibt für jeden Garten den richtigen Bambus."
Tipps für Fans
Wer mehr über Bambus wissen möchte, kann vom 9. bis 17. April zu den "Bambustagen" ins Informationszentrum in Lehrte-Steinwedel kommen. Das Zentrum in der Ramhorster Straße 2 ist montags bis freitags von 10 bis 18.30 Uhr und sonnabends von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Telefonische Beratung ist unter (0 51 36) 57 42 möglich. Im Internet gibt es Informationen unter www.bambus-info.de (Bambus-Informationszentrum Steinwedel) oder www.bambus-deutschland.de (Europäische Bambusgesellschaft). bk
BAMBUS - WO ER WÄCHST UND WIE ER GEDEIHT
Verbreitung: Neben Asien gehört Süd- und Mittelamerika, Afrika und Nordaustralien zum natürlichen Verbreitungsgebiet. Bambus ist sehr anpassungsfähig; er kommt in kalten und auch in tropischen Regionen vor. In seiner höchsten Artenvielfalt findet man Bambus in den tropischen und subtropischen Gebieten - vor allem in Asien, von Japan bis zum Himalaya. Von geschätzten 14 Millionen Hektar Bambusvegetation weltweit befinden sich allein in Asien ungefähr elf Millionen. Bambus wurde vor rund 150 Jahren in Europa eingeführt.
Standort: Bambus steht gern warm und sonnig, im Winter etwas beschattet, damit die Blätter nicht austrocknen. Einige niedrige Arten bevorzugen schattige Standorte, etwa unter Bäumen. Wind mag Bambus überhaupt nicht, dafür aber ein gewisses Maß an Luftfeuchtigkeit. Der Boden sollte humusreich und durchlässig sein. Bambus braucht Wasser, Staunässe aber ist tödlich für Bambus.
Pflanzung: Bambuspflanzen kann man als Ableger von Freunden oder als Ballen und Containerware vom Gärtner bekommen. Containerpflanzen sollten beim Kauf auf gute Durchwurzelung überprüft werden. Ist sie vorhanden, kann man Bambus fast das ganze Jahr hindurch pflanzen. Fast alle Arten entwickeln sich am besten, wenn man sie zwischen Ende März und Mitte Juni einpflanzt. Bambus wird während des Sommers so viele neue Wurzeln und Wurzelstöcke bilden, dass er im nächsten Frühjahr neue Halme bildet. Wird erst spät im Herbst oder Vorwinter gepflanzt, wird die Pflanze "stehen bleiben". Sie muss dann besonders gegen Frost geschützt werden.
Rhizome (Wurzelstock): An den Rhizomen eines Bambusses befinden sich dessen Wurzeln und Knospen, aus denen sich später die Halme entwickeln. Es gibt ausläuferbildende und horstbildende Bambusse. Beim Kauf sollte erfragt werden, wie schnell sich eine Bambusart im Garten ausbreiten wird. Bei den horstig wachsenden Arten wie Fargesia ist das kein Problem, sie wachsen wie Büsche und wuchern nicht wild. Ausläuferbildenden Arten können dagegen viele Meter weit "weglaufen", die harten Rhizomspitzen kennen dabei kaum Hindernisse. Rhizomsperren aus Spezialfolie begrenzen die Ausbreitung.
Pflege: Da Bambus immergrün ist, braucht er immer Wasser, also auch im Winter. Denn durch die Blätter verdunstet die Pflanze Feuchtigkeit, die sie sich aus dem Boden wiederholen muss. Im Sommer zeigt der Bambus deutlich Wassermängel an: Er rollt dann die Blätter ein. Generell muss Bambus bei warmer, trockener Witterung intensiv bewässert werden. Jüngere Anpflanzungen müssen unter Umständen täglich gegossen werden, im Winter aber nur bei frostfreiem Wetter. Pflanzen, die in Kübeln stehen, brauchen noch mehr Wasser als Pflanzen in freiem Boden. Bambus ist auch dankbar, wenn er hin und wieder - möglichst warm - geduscht wird. Werden Pflanzen im Wintergarten gehalten, ist Sprühen sogar überlebenswichtig.
Vermehrung: Bambus gehört zu den leicht vermehrbaren Pflanzen. Schon nach wenigen Jahren verfügen die meisten Arten über genügend unterirdische Rhizome, die man leicht abtrennen und neu einpflanzen kann. Man sollte jedoch möglichst solche Rhizome verwenden, an denen bereits im Vorjahr ein Anstich erfolgte, weil hier bereits gute Wurzeln vorhanden sind. Die beste Zeit für diese Art der Rhizomteilung ist das Frühjahr vor dem Neuaustrieb. Auch bei den horstigen Sorten ist eine Teilung möglich. Sie erfordert in der Regel einen ordentlichen Kraftaufwand und scharfes Werkzeug.
Blüte: Bambus blüht sehr selten. Doch wenn Bambus blüht, kann die ganze Pflanze absterben, weil die Blüte und die nachfolgende Fruchtbildung die Pflanze zu Tode erschöpft. Bambus blüht alle 60, 90 oder 120 Jahre, verschieden von Art zu Art. Zuletzt blühten Mitte der neunziger Jahre Bambusarten der Gattung Fargesia flächendeckend. Die kollektive Blüte ist vermutlich genetisch bedingt, die Ursache ist wissenschaftlich aber nicht eindeutig geklärt.
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(c) Verlagsgesellschaft Madsack
© Das Bambus-Lexikon wurde als frei zugängliche Datenbank nach einer Idee von Fred Vaupel 2005 erstellt und erarbeitet.
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